Vom Golden Circle nach Reykjavik

Ich freue mich morgens um 7.00 Uhr als Bernd an unsere Tür klopft und mich zu einer morgendlichen Tour zum Strokkur Geysir abholt. Beide haben wir von gestern noch eine Rechnung offen, denn wir haben kein Bild von der Wasserblase des Strokkurs machen können. Das wäre nicht schlimm, wir haben sie aber noch nicht einmal gesehen. Das ist so als wenn man am Grand Canyon steht und der Canyon vom Nebel verhüllt ist.

Dort angekommen sind wir fast alleine und dieser stille Moment ist einfach fantastisch. Die Bilderreihe klappt auf Anhieb, wir gucken noch eine Weile zu. Irgendwann zieht mich Bernd zurück ins Auto, denn das Frühstück wartet.

Strokkur
Strokkur
Geysir Strokkur
Geysir Strokkur

Der letzte Tag unserer Reise wird ein sehr langer werden, denn unser Flieger geht erst nach 24.00 Uhr Richtung Deutschland zurück.

Wir haben viel Zeit die bekannten Sehenswürdigkeiten Islands auf der Route des Golden Circles zu betrachten: Der Nationalpark Thingvellir, den Geysir Strokkur und einer der schönsten Wasserfälle des Landes den Gullfoss.

Mit dem Gullfoss fangen wir heute morgen an. Ich habe fast kein brauchbares Bild von ihm, immer wieder spritzen die Regentropfen gegen die Linse. Der Wasserfall ist wunderschön und fällt in mehreren Stufen hinunter. 

Gullfoss
Gullfoss

Nach dem Besuch des Gullfoss fahren wir noch einmal zum Strokkur. Wir schlendern ein wenig durch die Gegend uns lassen uns voll regnen. Abgehärtet durch die vergangenen Tage macht uns Wasser nichts mehr aus. Gibt auch keine Flecken und trocknet bei längerer Autofahrt wieder. 


Ein letztes Mal gebe ich mir Mühe den Geysir schön in Szene zu setzen und gebe auf. Es gehört auch zu so einem Reisebericht dazu, die blanke Realität einzufangen. Ja, so kann es auf Island auch sein. Trist, grau, nass, kalt, fies, Tage an denen man einfach nur im Bett bleiben möchte, kuscheln, Kakao trinken, Schmarotze gucken und vom schönen Wetter träumen.

Keine Ahnung wie wir bei diesem Wetter auf die Idee kommen konnten den Bruarfoss zu besuchen. Wahrscheinlich hat es für 3 Sekunden mal aufgehört zu regnen. Genau auf diesen Wasserfall habe ich mich schon Wochen gefreut. Ich sage natürlich nicht nein, als Andreas seinen Beschluss des Objekt der Begierde bei diesem Mistwetter nicht zu besuchen, umstößt.

Bernd und Ingrid sind schlau, sie bleiben im Auto. Zu dritt machen wir uns auf den Weg. Wobei Weg echt nett umschrieben ist. Erst laufen wir vorsichtig durch die Pampe, dann vorsichtig an den Pfützen vorbei und irgendwann bin ich untenrum so nass, dass ich nicht mehr vorsichtig sein muss. Es gießt von oben und ist Matschepampe hoch drei von unten.


Es war ein schönes (nasses) Erlebnis, Andreas und ich laufen am Wasserfall zielstrebig vorbei. Burckhard findet ihn und schießt ein Bild mit dem Handy, wir sind nass bis auf die Haut und Bernd und Ingrid empfangen uns trocken im Auto. Meine Klamotten sind so nass, dass wir erstmal wieder zur Farm fahren, damit ich wenigstens die Hose wechseln kann. Das sind immer Erinnerungen über die man sich später schief lacht.

Bruarfoss
Bruarfoss

Wir geben uns Mühe und wollen aus diesem Tag noch etwas machen. Also geht es noch zum Nationalpark Thingvellir. Dort angekommen gehen wir ein kleines Stück spazieren. Ein Bild gibt es nicht, wir beobachten wie Touristen am ersten Wasserfall aus den Reisebussen ausgeladen werden, dann zum daneben liegenden Wasserfall schlendern und dort von ihren Bussen wieder abgeholt werden. Der Nationalpark Thingvellir vereint viele schöne Dinge die wir in den vergangenen Tagen gesehen haben. Für uns gibt es keinen großen Grund auf den befestigten und sehr gut zu laufenden Wegen länger zu verweilen. Uns zieht es jetzt nach Reykjavik zum Hügel Öskjuhlíð. Dort befindet sich der höchsten Punkte der Stadt mit einem ganz besonderen Bauwerk, dem Perlan. 

Info Perlan

        Das Heizungssystem von Reykjavík

Was ist das für ein Gebäude? Sechs große Heißwassertanks fassen jeweils 4 Millionen Liter Wasser. Vom Vulkan Hengill gelangt  das heiße Wasser über das Heizkraftwerk Nesjavellir auf einer 27 km lange Pipeline nach Reykjavik zum Perlan und versorgt die Stadt mit Heizenergie. 

Seit 1991 überspannt eine Glaskuppel die Stahltanks, auf der Aussichtsplattform der Kuppel kann ganz Reykjavik überblickt werden.

Perlan, Reykjavik
Perlan, Reykjavik
Reykjavik
Reykjavik

Auf der Aussichtsplattform pfeift der Wind und zum ersten Mal ist uns allen kalt. Wir sehen uns im Gebäude um und fahren danach zur Kringlan Mal. Es heißt ein wenig Kräfte einteilen, jeder ruht sich auf seine Weise aus.

Am späten Nachmittag reißt der Himmel auf und die Stadt zeigt sich endlich in einem schöneren Licht.

Hallgrimskirkja
Hallgrimskirkja
Hallgrimskirkja

In der Nähe des alten Hafens von Reykjavik steht die Skulptur Sólfar. Die Sun Voyager stellt ein Wikingerboot dar und ist ein Werk des Künstlers Jón Gunnar Árnason. Heute Abend sorgen unterschiedliche Licht- und Wetterverhältnisse für schöne Fotomotive. Das Metall glänzt in der untergehenden Abendsonne in verschiedenen Farbnuancen. Egal aus welcher Perspektive das Schiff betrachtet wird, immer wieder verändert sich die Form, der Schwung der Linien, fantastisch was der Künstler vor dieser grandiosen Landschaft geschaffen hat. Selten hat mich eine Skulptur so tief beeindruckt. Eine dieser Aufnahmen wird auf jeden Fall das Kalenderblatt September des kommenden Jahres zieren.

Sun Voyager, Reykjavik
Sonnenschiff Sólfar
Sonnenschiff Sólfar
Sun Voyager, Reykjavik
Sonnenschiff Sólfar, Sun Voyager, Reykjavik
Sonnenschiff Sólfar, Sun Voyager, Reykjavik

Der Sonnenuntergang am Abend hüllt Reykjavik in warme Farben.

Unsere letzte Station in diesem Urlaub ist das Harpa Oper- und Kongresszentrum von Reykjavik. Ein glanzvoller Abschied von diesem wunderschönen Land. Die Abendsonne spiegelt sich in unterschiedlichsten Farben auf den vielen Glassegmenten. Eine Inspiration bei der Planung war wohl die Idee die isländische Natur in der Kongresshalle in verschiedenen Farben wirken zu lassen. 

  • Feuerrot für Eldborg - Feuerburg, Feuerkessel, der Krater eines Vulkans
  • Silbergrau für Silfurberg - Silberfels, ein Kristall namens Island Spar, ein doppelbrechender Kalkspat
  • Blauviolett für Norðurljós - Nordlicht, die bekannte Himmelserscheinung des Polarlichts
  • Goldgelb für Kaldalón, kalte Lagune, Kaldalón, eine Gletscherzungenbucht in den Westfjorden

Und tatsächlich sind das auch die Farben die sich in der Außenarchitektur wiederfinden. Ich kann mich kaum von diesem Anblick lösen. So wie ich in der Natur die wechselnden Lichtfarben erlebt habe, empfinde ich die Einzigartigkeit dieses Gebäudes. Wie habe ich diesen Moment vor einigen Seiten beschrieben?:

"Wenn die Sonne auf Island scheint, explodieren die Farben in der Landschaft. Unfassbar schön, manchmal nur für einen kurzen Augenblick. Sprachlos versuche ich mir diesen für mich brillianten Moment einzuprägen. So krasse Gegensätze von Lichtsituationen innerhalb kurzer Zeit habe ich nur hier auf Island kennengelernt. Aus einem grauen Mäuschen entwickelt sich die Landschaft im zauberhaften Licht für Sekunden, Minuten zu einem Szenario aus Farben, die ich in solcher Vielfalt noch nicht erlebt habe. Irgendwo spukt auf der Insel Gandalf und streift mit seinem Zauberstab über die Insel."

Harpa, Reykjavik
Harpa, Reykjavik
Harpa, Reykjavik
Harpa, Reykjavik
Harpa, Reykjavik

Entspannt fahren wir am Abend zum Flughafen und verlassen in der Nacht die isländische Insel. Der Abschied fällt nicht schwer, denn wir sind uns sicher bald wieder hier zu sein.

Insgesamt sind wir in 10 Tagen über 3000 km gefahren, zu viel werden einige sagen. Viel zu wenig um die Insel kennenzulernen. Wir sind Andreas dankbar auf dieser Rundreise erste Enblicke in die vielfältige Landschaft gewonnen zu haben. Von bekannten Sehenswürdigkeiten und einigen noch unbekannteren landschaftlichen Schönheiten haben wir einige Lieblingsecken entdeckt, die wir sicherlich ein zweites Mal besuchen werden.

Es war unser erster Urlaub innerhalb einer kleinen Reisegruppe, nie langweilig, immer bereichernd und spannend. Jeder tickt anders, gemeinsam tickt es interessanter.

Takk Andreas, für die fleißige Vorbereitung!

Danke für die entspannten und lustigen Fahrten.

Danke für das Schweigen, wenn du keine Lust hattest zu sprechen.

Danke für dein Verständnis, wenn die Gruppe mal bummelte.

Man kann das vorher nicht wissen, es hat gepasst und vor allem hat es Spaß gemacht!

Uns teilt eine Gemeinsamkeit, die Liebe zur Natur und zur Fotografie. 

Burckhard und wir danken dir alle, dass du so oft auf uns gewartet hast, weil wir immer und immer wieder ein Rädchen an der Kamera drehen mussten, das Stativ aufbauen mussten und spontane Ideen entwickelten, weil gerade das Licht so wunderschön strahlte. Takk dafür!

Unser Leitsatz für diese Reise entwickelte sich aus den Gegebenheiten des Wetters:

Dahinten wird es hell, irgendwo scheint immer die Sonne und man muss nicht alles haben.

Bis zum nächsten Mal! Wir träumen erstmal weiter von Polarlichtern.

 

 

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