Usedom

Usedom ist die zweitgrößte deutsche Insel nach Rügen. Sie liegt in der Pommerschen Bucht in der südlichen Ostsee. Es soll die sonnenreichste Gegend in Deutschland sein. Im Volksmund wird Usedom auch die Badewanne von Berlin genannt. Schnell erreicht der Berliner in gut zweieinhalb Stunden die Küste und besonders an den Wochenenden stöhnt die Insel unter den Massen von Besuchern. 

Die Insel liegt zwischen Ostsee, Achterwasser und Stettiner Haff, bietet 42 Kilometer Sandstrand, traditionelle Seebäder und viel unberührte Natur.

Wir übernachten ruhig am Hafen von Stagnieß und erkunden von dort die Insel mit dem Fahrrad. Neben ausführlichen Strandbesuchen unternehmen wir eine lange Fahrradtour die in Ückeritz beginnt und uns entlang der Ostseeküste zu den bekannten Seebädern der Insel führt. Auf der längsten Strandpromenade Europas geht es durch die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin. Eine besondere Attraktion auf der Insel sind die vielen Seebrücken. Sie sind zu jeder Jahreszeit der besondere Anlaufpunkt in den Ostseebädern. 

Seebrücke Ahlbeck

Seebrücke 1908
Seebrücke 1908

Die älteste und bekannteste Seebrücke an der deutschen Ostseeküste liegt in Ahlbeck. Im Jahr 1882 wurde über dem Strand eine Plattform mit zwei gegenüberliegenden Holzaufbauten errichtet. Der 280 Meter in die Ostsee ragende Seesteg wurde 1898 vorgebaut, um Schiffen das Anlegen zu ermöglichen. Nach 1905 wurde die Plattform verbreitert und die Aufbauten wurden an der Land- und Seeseite miteinander verbunden. Der Promenadenweg führt seitdem um die Aufbauten herum. Im Jahr 1926 wurde der noch offene Mittelteil zunächst mit Segeltuch, in den 1930er Jahren mit Holz gedeckt. Die aus Holz bestehenden Bauten wurden des Öfteren restauriert und verrottete Bestandteile durch neue ersetzt. Bei allen Restaurierungen behielt die Seebrücke ihre historische Bausubstanz. In den Jahren 1970 bis 1973 wurden die Träger aus Holz durch Stahlträger ausgetauscht. Seit einer umfangreicheren Sanierung 1986 steht die Brücke unter Denkmalschutz. 

Seebrücke Ahlbeck
Seebrücke Ahlbeck

Der Ort ist sehr schön, wir sind erschrocken über die vielen Werbeschilder auf der Promanade. Sie zerstören die mondäne Optik und nehmen dem Ostseebad sehr viel Flair. Ahlbeck ist stark besucht, deshalb halten wir uns dort nicht lange auf.

Strand Ahlbeck
Strand Ahlbeck

Mit dem Fahrrad fahren wir auf der längsten Strandpromenade Europas weiter. Sie führt von Swinemünde, Ahlbeck und Heringsdorf über 12 km bis nach Bansin.

Vorbei an wunderschönen Villen im Stil der Bäderarchitektur, lassen wir uns die Seeluft um die Nase wehen.

Seebrücke Heringsdorf

Mit einer Länge von 508 Metern ist die Seebrücke Heringsdorf die längste Seebrücke in Kontinentaleuropa. 300 Meter des gesamten Bauwerks führen über das Wasser der Ostsee.  Die erste Seebrücke entstand in Heringsdorf 1893. Ein Feuer vernichtete 1957 die Kaiser-Wilhelm-Brücke. Die heutige Seebrücke wurde am 3. Juni 1995 eingeweiht.

 

Seebrücke Heringsdorf
Seebrücke Heringsdorf

Mir persönlich gefällt diese Brücke überhaupt nicht. Sie wirkt von außen wie eine Ansammlung billiger Ramschläden am Strand.

Seebrücke Bansin

Wenig spektakulär ist die knapp 300 Meter lange in die Ostsee ragende Seebrücke Bansins. Diese Seebrücke ist eine einfache lange Holzbrücke ohne Gebäude. Innerhalb der Kaiserbäder ist sie die weniger frequentierte gegenüber Heringsdorf und Ahlbeck. Hier herrscht relative Ruhe, das macht diesen Besuch sehr angenehm. Direkt am Anfang der Seebrücke befindet sich die Kurverwaltung.

Seebrücke Bansin, Usedom
Seebrücke Bansin, Usedom
Bansin, Usedom
Bansin, Usedom

Von Bansin aus geht es im Wald weiter an der Küste entlang. Imposant erstreckt sich ein kilometerlanger Campingplatz von Bansin Richtung Ückeritz. Mich erinnert dieser Platz an DDR-Zeiten. Damals kursierte das Gerücht, dass dies der größte Campingplatz Europas sei. Auf 13 Hektar war Platz für etwa 20.000 Camper. Auch heute steht hier alles bunt durcheinander gemischt und trägt den Charme alter Zeiten mit neuen Toilettengebäuden. Man kann vom Zelt aus gleich in Badehose zum Strand gehen und wenn Mutti mit dem Essen fertig ist, geht es über den staubigen Kiefernweg zurück an den Campingtisch. Bestimmt gibt es Berliner Tomatensoße mit Nudeln. Was das ist? Die italienische Ostnudelvariante, Tomatenketchupsoße mit gebratenen Jagdwurstwürfeln auf Nudelbett. Echt lecker!

 

Usedom, Ückeritz

Und jetzt aufgepasst und nicht vergessen.

Wir kommen an meinem Lieblingsstrand von Usedom vorbei. Weil dieser nicht so gut zu erreichen ist, kennen ihn nicht ganz so viele Menschen wie den Strand von Ahlbeck oder Heringsdorf.

Die Steilküste von Ückeritz ist über eine Treppe zu erreichen. Diese befindet sich hinter der

Reha-Klinik Ostseeblick.

 

https://goo.gl/maps/RjWGXbwzD8U2

Steilküste Ückeritz, Usedom
Steilküste Ückeritz, Usedom
Usedom. Strand in Ückeritz

Seebrücke Koserow

In Koserow treffen wir auf einen sehr gepflegten Badeort. Irgendwie bin ich erleichtert nicht von so vielen Menschen umgeben zu sein.

Unter den vielen Seebrücken Usedoms ist die Seebrücke Koserow mit 261 Meter Länge die kürzeste Seebrücke.

Seebrücke Koserow
Seebrücke Koserow

Seebrücke Zinnowitz

Mit dem Seebad Zinnowitz erreichen wir den letzten Ort unserer Fahrradtour.

Im Jahr 1897 wurde in Zinnowitz ein Steg errichtet, der der Beförderung von Touristen per Schiff diente.

Von diesem mussten die Touristen per Boot zu den Schiffen gebracht werden. Im Jahr 1908 wurde dann auch in Zinnowitz eine Seebrücke errichtet; die Brücke wurde im Jahr 1909 um etwa 350 Meter verlängert. Nach Umbauten und Erweiterungen kam ein Brückenhaus hinzu und so konnten hier die im Liniendienst verkehrenden Schnelldampfer anlegen. Da die Brücke aufgrund von starken Verwitterungsschäden und Packeis zerstört worden ist, wurde sie Ende der 1940er Jahre abgetragen. Im Herbst 1993 wurde die heutige Brücke eingeweiht. Im Jahr 2006 wurde am Ende der Brücke eine Tauchgondel installiert.

Seebrücke Zinnowitz
Seebrücke Zinnowitz
Usedom
Strand Zinnowitz

Zurück nach Stagnieß fahren wir an der Straße entlang. Dort sind die Fahrradwege gut zu fahren. Unsere Tour führt über sehr holprige Waldwege, so richtig Spaß machte das nicht. Entschädigt wurden wir in den Bernsteinbädern mit einer einzigartigen Bäderarchitektur. 

Die Insel Usedom mit ihren weißen, steinfreien, flach abfallenden Sandstränden hat uns gut gefallen. Nervig fanden wir den nicht abnehmenden Autoverkehr, der bedingt durch die schmale Insel auf eine Straße konzentriert ist.

Fazit: Usedom ist ein wunderbarer Badeort für Familien mit Kindern. Weiße und flach abfallende Strände verlocken zum Baden und Buddeln. Kein Wunder warum Kaiser Wilhelm II. die Badewanne von Berlin berühmt gemacht hat.

Für uns geht es nun weiter zur größten Insel Deutschlands, nach Rügen.